Bauzaun und Proteste – worum gehts am Josephsplatz?

Seit Mai sperrt ein Bauzaun den Großteil des Platzes ab, dahinter schieben einige Wachmänner für eine Sicherheitsfirma Dienst. Baumaschinen haben bereits eine große Grube ausgehoben: Hier soll eine Tiefgarage mit 265 Stellplätzen entstehen, um den Josephsplatz von einem Teil der parkenden Autos zu entlasten. Danach soll die Oberfläche neu gestaltet werden.

Die Anwohner protestieren seit Monaten: Im Mai und im Juni fanden Kundgebungen und Demonstrationen statt, die von der Initiative „Freunde des Josephsplatzes“ organisiert wurden. Die Aktiven werfen der Stadt vor, beim Umbau des Platzes die Interessen der Anwohner zu übergehen.

Bürgerprotest gegen die Tiefgarage

Die Beteiligung an den Protesten ist offenbar hoch: Die erste Kundgebung am 5. Mai zog einige hundert Teilnehmer an, die anschließend als Demonstration um den Josephsplatz zog. Auffallend war, dass trotz schönen Wetters nur wenige Menschen am Straßenrand und an den Fenstern zuschauten – anscheinend hatten die meisten selbst an der Demonstration teilgenommen oder die Sache ignoriert.

Demonstrationszug am Josephsplatz
Bild: Demonstrationszug um den Josephsplatz am 5. Mai 2013

Wichtig ist den protestierenden Anwohnern, dass die noch vorhandenen Bäume erhalten bleiben, Alternativen zur Tiefgarage geprüft und offene Fragen zu den Kosten geklärt werden. Eine Anwohnerversammlung für den Umkreis von 400 Metern um den Josephsplatz wird gefordert, um die Interessen im nahen Umfeld zu klären. Viele Kritikpunkte können auf der Website der Initiative nachgelesen werden, auch einen offenen Brief an den Oberbürgermeister gibt es.

Umkämpfte Linden und Ahornbäume

Doch die Sache ist schon recht weit fortgeschritten: Bereits im Februar wurden etliche Bäume gefällt, darunter eine Reihe Linden mittleren Alters auf der Nordseite des Platzes, die mit den Linden auf der Straßenseite gegenüber eine kleine Allee bildete. Eine Fotostrecke auf der Website des Bayerischen Rundfunks zeigt die Proteste der Anwohner und die Aktion von Robin Wood gegen die Fällungen. Die Besetzung der alten Ahornbäume durch Robin-Wood-Aktivisten war erfolgreich – die Fällung wurde ausgesetzt. Die vier großen Ahorne stehen noch, ebenso ein viel jüngerer Ahorn und eine Linde innerhalb des Bauzauns (siehe links im ersten Bild).

Ahorn mit Transparent
Bild: Überreste erinnern an die Robin-Wood-Besetzung in den Ahornbäumen

Auf der Website des Baureferats können Informationen zum Wettbewerb zur Neugestaltung abgerufen werden, dort sind außerdem der Entwurf des Gewinners sowie ein älteres Luftbild des Josephsplatzes verlinkt: Vor den Baggerarbeiten lag im Zentrum des Platzes eine Grünfläche, die von einer Hecke gesäumt war und vor allem als Spielplatz und Spielwiese genutzt wurde. Sie können den früheren Zustand bei Google Maps (Zoom auf Josephsplatz) abrufen, diese Aufnahme wurde im Sommerhalbjahr gemacht. Außerdem finden Sie dort ein Foto, das zu Google Streetview führt. Damit kann man virtuell um den Platz herum spazieren und bekommt einen Eindruck von der früheren Atmosphäre.

Wie geht es weiter am Josephsplatz?

Derzeit dürfen keine weiteren Bäume gefällt werden, weil bis Ende September auf brütende Vögel Rücksicht genommen werden muss, Ausnahmegenehmigungen sind aber möglich – der Landesbund für Vogelschutz in München wirft der Stadt vor, Genehmigungen für Baumfällungen zu großzügig zu erteilen. Außerdem können Bäume auch durch Bauarbeiten im Wurzelraum geschädigt werden. (Weitere Informationen, auch zum Deutungsspielraum des Bundesnaturschutzgesetzes, finden Sie in einer Übersicht der TU Berlin.)

Hinzu kommt, dass noch gerichtlich geklärt werden muss, ob die Baugenehmigung für die Tiefgarage komplett rechtmäßig ist. Und bis es so weit ist, sollen laut einer Zusage des Baureferats an die Freunde des Josephsplatzes keine weiteren vollendeten Tatsachen geschaffen werden. Unter diesen Umständen erscheint es zweifelhaft, dass die geplante Tiefgarage schon in zwei Jahren fertig sein wird.

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