Korruption in Bayern – ein Schnäppchenmarkt?

Ach, das geht ja schon seit über 20 Jahren, sagt mein fröhlicher Arzt, während ich meinen Arm zur Blutabnahme über den Schreibtisch lege. Dann machen wir den Schottdorf mit meinem Blut noch reicher, sage ich. Wir plaudern weiter. Der Schottdorf würde überhaupt in ganz anderen Sphären leben, Privatflugzeug und so, ein normaler Arzt bekäme den gar nicht zu Gesicht – haha, vielleicht gibt es ihn ja gar nicht?

Immerhin hat er 2007 mit seiner Spende von 25.000 Euro an die CSU ein Lebenszeichen hinterlassen. Der Journalist Hubert Denk aus Passau hatte über die Parteispende und die Labor-Affäre berichtet, was der Laborunternehmer Schottdorf mit Hilfe seines Anwalts Peter Gauweiler verhindern wollte. Es sollte nämlich nicht der Eindruck erweckt werden, eine solche Spende diene der Einflussnahme auf die behördlichen Ermittlungen gegen das Labor.

Logisch! Es wäre wirklich peinlich, wenn Ermittlungsbehörden so billig zu haben wären. Wie sollte da der Respekt vor den Beteiligten gewahrt bleiben? Da erwartet man doch mehr. In Rainhard Fendrichs Tango Korrupti sprach der Wirtschaftsbonze einst zum Staatsanwalt:

Sie sollten sich amal was leisten, so wie die meisten, vielleicht an Porsche bald? Dafür verschwinden ein paar Akten, auch die Fotos mit der Nackten, und dann singen wir gemeinsam eine kleine Melodiieee … Tango Korruptiii … (Hörprobe / Werbelink)

Das war vor 25 Jahren und in Österreich – ein paar verschwundene Akten und Fotos hatten einen angemessenen Preis, es war mindestens ein chices Auto fällig. Da sollte Bayern doch leicht mithalten können, wenn es wirklich mal nötig ist.

Aber jetzt stellt sich heraus, dass seit Jahren gegen Hubert Denk ermittelt wird und womöglich sein Telefon überwacht, weil seine Recherchen anscheinend lästig geworden waren – siehe der Bericht über den Schnüffel-Angriff auf den Journalisten bei Regensburg Digital. Doch von Geld keine Rede! Da fragt man sich schon, ob diese überambitionierten Ermittlungen gegen Hubert Denk überhaupt anständig bezahlt werden. Man muss ja fast fürchten, dass die ermittelnden Behörden völlig gratis und nur auf Zuruf aus CSU-Kreisen die Bürgerrechte auf den Kopf stellen!

Monika Gruber hat sich schon vor vier Jahren im Hofbräukeller berechtigte Sorgen um den Korruptions-Standort Bayern gemacht – aber auf eine Kabarettistin hört ja keiner.

Bleiben Sie am Thema dran und entscheiden Sie selbst, ob diese Satire unter- oder übertrieben ist. Geeignete Quellen sind Regensburg Digital und Süddeutsche.de. Stand des Eintrags: 15.11.2013.

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