Himmel über München: Silvester heißt Feinstaubglocke

Himmel über München an Silvester

So sah der Himmel über München – genau gesagt über der Zieblandstraße – vor drei Stunden aus. In zwanzig Stunden wird er sich eher so zeigen, wie es hier am Nachmittag des Neujahrstags 2017 im Olympiapark festgehalten wurde. Ich hatte den Starnberger See vorgezogen, wo es statt einer Feinstaubglocke nur ein wenig Dunst über dem See gab.

Es könnte auch sein, dass sich der Feinstaub morgen etwas schneller verziehen wird als sonst, falls der Wind tatsächlich stärker ausfallen sollte. Aber an dem Grundproblem, dass in der Silvesternacht viel zuviel Feinstaub entsteht und die Grenzwerte in den Städten und anderen größeren Siedlungen deutlich überschritten werden, ändert das auch nichts. Was ist das Problem? Der Feinstaub belastet die Atemwege, besonders betroffen sind Menschen, die bereits Probleme mit den Bronchien haben.

Der Silvester-Feinstaub und die Politik

Beim Umweltbundesamt gibt es fachliche Informationen zum Thema Feinstaub an Silvester. Wegen der eindeutigen Sachlage prognostiziert ein Kommentator des SWR bereits ein Feuerwerksverbot – lokale Bestrebungen in Stuttgart gab es bereits.


Video: Gerhard Polt und Gisela Schneeberger – das Feuerwerk

Vielleicht wäre das auch ein Thema für ein Bürgerbegehren in München: Hirn statt Böller! Das private Feuerwerk verbieten und als Ersatz in ausgewählten Parks ein städtisch koordiniertes Feuerwerk veranstalten, am besten von Sponsoren und Mitveranstaltern bezahlt. Das Feuerwerk beim Sommerfest im Olympiapark ist in Sachen Feinstaub vergleichsweise harmlos und noch dazu viel schöner als die unkoordinierten Raketen in der Silvesternacht. Noch dazu wäre die Unfallgefahr viel geringer, wenn Profis am Werk wären. Was meint ihr?

Eine amüsantere Betrachtung mit einigen Knaller-Alternativen präsentiert dieser Youtuber:


WWF-Video zum Thema Feinstaub und Lärm: Öko mit Uke – Silvesterknaller

3 Gedanken zu „Himmel über München: Silvester heißt Feinstaubglocke

  1. Jürgen Stock

    Dass das Silvesterfeuerwerk und die Böller Feinstaub erzeugen, ist eine Tatsache. Das hat die Süddeutsche auch schon zum Thema gemacht (http://www.sueddeutsche.de/panorama/feinstaub-boellern-an-silvester-birgt-nicht-nur-eine-grosse-verletzungsgefahr-1.3808476). Dennoch ist das eine Diskussion an der Sache vorbei. Es ist eine völlig unnötige Aufgeregtheit. Denn wieso soll eine gute halbe Stunde Knallerei das Problem „Feinstaub“ entscheidend verschärfen, ein Problem, mit dem wir im Grunde genommen 365 Tage im Jahr– und nicht nur aktuell dann, wenn Grenzwerte überschritten werden – konfrontiert sind? Dem Straßenverkehr etwa können wir uns nicht entziehen, keinen Tag im Jahr, aber man muss ganz definitiv zu Silvester nach Mitternacht nicht auf dem Königsplatz (zum Beispiel) sein.

    Im Übrigen könnte sich eine Kombination von Verboten (Fahrverbote wegen Feinstaub, Feuerwerksverbot wegen Feinstaub and what have you) mit plebiszitären Elementen („Bürgerbegehren Hirn statt Böller“) als gefährlicher erweisen als das traditionelle Begehen der Neujahrsnacht.

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    1. Irene Gronegger Beitragsautor

      1) Den Vorwurf der Aufgeregtheit empfinde ich als unnötige Psychologisierung. In einem Blog kann man sich Aspekte herauspicken, die man subjektiv interessant findet.

      2) Feinstaubspitzen und Gesundheit – manche Lungenärtzte sehen es so:
      https://www.lungenaerzte-im-netz.de/news-archiv/meldung/article/-89b693029a/
      Mir persönlich ist bisher nur das Extremgrillen an der Isar unangenehm in die Bronchien gestiegen, aber da dürften die Feinstaubwerte auch ordentlich drüber sein.

      3) Gerade beim Thema Gesundheit versus Rücksichtslosigkeit hat sich die direkte Demokratie in Bayern bewährt, siehe Rauchverbot in der Gastronomie. Seitdem können auch Menschen mit Kindern oder mit nicht perfekten Atemwegen in Lokale gehen.

      4) Unfallchirurgen erwähnten auch Hörschäden: https://twitter.com/ukbberlin/

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