
Bild: Die Funkhäuser des BR an der Marsstraße – Riemerschmidbau (im Vordergrund) und Studiobau
Vor drei Jahren protestierte die Initiative „Initiative BR-Studiobau retten“ gegen die Pläne des Bayerischen Rundfunks, seinen 60 Jahre alten Studiobau mit der Muschelkalkfassade abzureißen. Der Einsatz hat sich gelohnt: Ende 2024 wurde der Studiobau in die Denkmalliste eingetragen, er gilt als herausragendes Zeugnis der zeitgenössischen Rundfunkgeschichte. Der benachbarte Riemerschmidbau aus dem Jahr 1929 (links im Bild) steht bereits seit 1979 unter Denkmalschutz.
Den BR-Studiobau trotz Denkmalschutz abreißen?
Da der BR mittlerweile großteils nach Freimann am nördlichen Münchner Stadtrand umgezogen ist, stehen die beiden Funkhäuser leer. Den Studiobau als Zwischennutzung zu vermieten, lehnt der BR ab – angeblich aus Brandschutzgründen. Vielleicht möchte der Sender auch keine Aufmerksamkeit auf den Studiobau und dessen innere Qualitäten lenken, sondern auf allmähliches Vergessen setzen: Der BR möchte den Denkmalschutz als unzumutbar darstellen, den Studiobau abreißen lassen und den nördlichen Teil des Funkhaus-Areals verkaufen.
Eine etwas ausführlichere Darstellung des Themas lesen Sie in meinem Artikel, der Ende August in der Bayerischen Staatszeitung (unabh. Wochenzeitung) erschienen ist: Wie geht es weiter am Funkhaus-Areal? Kritik am Vorgehen des BR
Vorhaben und Ideen für den südlichen Teil mit BR-Hochhaus
Mit den Einnahmen aus dem gewünschten Verkauf möchte der Sender eigentlich die Sanierungen im südlichen Teil des Areals finanzieren, wo das bekanntere BR-Hochhaus steht und als Verwaltungsgebäude des Senders dient. Den unteren Teil will der BR auch in Zukunft selbst nutzen, die oberen Etagen mit Blick über die Stadt könnten sehr hochpreisig vermietet werden. Bei den Vorhaben auf dem südlichen Teil betont der BR, dass ein Umbau ressourcenschonend und klimafreundlich ist, siehe Pressemitteilung – beim nördlichen Teil ist das kein Thema.
Der südliche Teil des Funkhaus-Areals wurde europaweit ausgeschrieben: Der BR sucht einen Investor, der das Hochhaus und die Umgebung befristet in Erbpacht übernehmen möchte, um es nach Vorgaben des Senders zu sanieren und um Neubauten zu erweitern. Die Frist ist am 15. September abgelaufen. Ein BR-Sprecher mailte auf Anfrage nach dem aktuellen Stand: „Interessenten haben sich gemeldet und angesichts der bayerischen Sommerferien um mehr Bearbeitungszeit für die Erstellung der notwendigen Unterlagen gebeten. Daher wurde die Frist für die Einreichungen bis Ende November verlängert.“

Am Sockel des Hochhauses soll ein „Munich Media Hub“ entstehen: Im Vordergrund des obigen Fotos, wo das Lokal „Funkstadl Hanoi“ ist, wirbt der BR für einen Neubau für öffentliche Veranstaltungen, und etwas dahinter (im Bild von der Straßenbahn angeschnitten) im noch offenen Mittelblock des Hochhauses ist ein „offenes Podcast-Studio“ angedacht.
Außerdem der hat BR hinter den Kulissen bereits mit dem Planungsreferat der Stadt München verhandelt. Der Sender strebt eine Lockerung des Gemeinbedarfs an, der im Bebauungsplan für den südlichen Teil des Geländes festgelegt ist. Der Stadtrat und die Öffentlichkeit wurden hier gar nicht einbezogen.
In Pressemitteilungen von 2024 schrieb der BR noch davon, das Gelände für die Gesellschaft öffnen zu wollen, sogar von „Gemeinwohlorientierung“ war zu lesen. Allerdings war der Text mit einer Skizze bebildert, die eher Fragen aufwirft.
BR verbreitet Pressematerial mit unrealistischen Skizzen
Ob an dieser Stelle tatsächlich genug Platz für einen großen Konzertsaal für das Rundfunkorchester wäre, wie es der BR suggerierte, erscheint nämlich sehr zweifelhaft. Auf Nachfrage erklärte ein Sprecher des BR allerdings, diese Skizze sei nicht mehr aktuell, und sandte neuere, bunte Bildchen, die aber auch keine realistische Darstellung sind:

In der obigen Skizze ist ein Podcast-Studio im Fuß des BR-Hochhauses zu sehen. Doch die freie Aussicht auf die Münchner Frauenkirche ist wegen der Baulinie keine realistische Perspektive.

Zu diesem Bild kam ein Hinweis von Eva Demmelhuber von der „Initiative BR-Studiobau retten“, die das Funkhaus-Gelände auch als langjährige BR-Autorin sehr gut kennt: Sie erklärte, die fiktive Bühne auf dieser Zeichnung läge im nördlichen Teil des Geländes, das der BR gerne verkaufen möchte. Damit wirken diese Skizzen noch unverbindlicher, als sie faktisch ohnehin sind – manche planerische Uni-Arbeit ist deutlich näher an der Realität.
Das erweckt insgesamt den Eindruck, dass die Bilder einfach gute Stimmung für Vorhaben des Senders machen sollen, aus deren Planung die Öffentlichkeit aber herausgehalten werden soll.
Text und Fotos: Irene Gronegger, Diplom-Geographin und freie Journalistin
Zum Weiterlesen
Der Blogartikel zur Kundgebung im September 2023: Protest vor dem BR-Funkhaus gegen den geplanten Abriss