Bademode zwischen Bikini und Burkini


Badekleidung für Frauen, das schien bis vor einigen Jahren eine eindeutige Sache zu sein: Bikini oder Badeanzug, je nach Geschmack und Anspruch praktisch und sportlich, sexy oder bieder geschnitten. Dann wurde in Australien der Burkini erfunden.

In vielen Bädern wird der Burkini mittlerweile als Badekleidung akzeptiert, wenn er aus dem üblichen Material hergestellt ist. Bei den SWM-Bädern ist er auch im Infomaterial über die Baderegeln abgebildet. Bikini für die Frau aus dem Westen, Burkini für die muslimische Badende, fertig?

In meinem Umfeld kam der Burkini bisher nur in Berichten und Debatten vor. Im echten Leben habe ich noch nie einen gesehen, weder im Nordbad noch an der Isar. Im Schwimmbad haben alle Badenden mehr oder weniger gleich wenig an. Wenn der Burkini für mich bereits Alltag wäre, käme es mir sehr seltsam vor, dass es nun zwei sehr gegensätzliche Pole an Badekleidung für Frauen geben soll und nichts dazwischen.

Wer sich auch außerhalb des eigenen Alltags umsieht, findet noch weitere Varianten der Badekleidung für Frauen: Youtube hat mir heute das oben eingebundene Video von Mayim Bialik empfohlen. Die amerikanische Schauspielerin zeigt in ihrem aktuellen Video Bademode, wie sie unter anderem in den USA oft von gläubigen jüdischen Frauen getragen wird, zusätzlich präsentiert Bialik eine ironische Bademodenschau.

Auch in Asien gibt es diverse Badeanzüge, die in eine ähnliche Richtung gehen, wie man auch beim Stöbern auf Amazon (Werbelink) feststellen kann. Und für den Leistungssport gibt es auch in unserer Kultur den Schwimmanzug mit etwas längerem Bein. So ein sportliches Modell wäre auch für weniger Ambitionierte sinnvoll, falls der modische Badeanzug dazu neigt, bei Bewegung im Wasser zwischen den Hinterbacken zu verschwinden.

Für den Oberkörper ist eine neue Variante auf dem Markt: Die Sängerin Beyoncé ließ sich diesen Sommer im langärmligen sexy Badeanzug fotografieren, das hat laut diversen Style- und Klatschportalen einen neuen Modetrend befördert. Es dürften sogar einige praktische Stücke dabei sein, die beim Brustschwimmen den Rücken vor der Sonne schützen. Mit einem UV-Shirt für den Strand ins Wasser zu steigen ist in Schwimmbädern nämlich nicht unbedingt erlaubt.

Vielleicht kommt die neue Vielfalt an Badekleidung auch eines Tages in unserem Millionendorf an. Bis dahin bleibt uns immer noch die Möglichkeit, die Mittagssonne zu meiden (sie steht in München um 13.30 Uhr am höchsten) und wenn nötig wasserfestes Sonnenspray aufzutragen – im Gegensatz zu den schmierigen Lotionen aus dem vorigen Jahrhundert lebt es sich damit doch recht komfortabel.

4 Gedanken zu „Bademode zwischen Bikini und Burkini

  1. Lutz Prauser

    Servus,
    mal wieder meine Anmerkungen zu Deinem Blog.

    Ich habe ein spezielles UV-Rashguard-Shirt für Schwimmer im Münchner Prinzregentenbad und bei uns draußen in Erding und Taufkirchen/Vils ausprobiert. Da hat niemand etwas gesagt. Bei entsprechend langen Strecken ein weitaus sinnvollerer Schutz und für die Wasserqualität sicher besser als alle Sonnenschutzsprays dieser Welt.
    Ich nehme auch zunehmend Kinder wahr, die diee Shirts tragen – wo es verboten ist, ist ein Umdenken zwingend notwendig – unter Umständen mit Hilfestellung der Dermatologen. Ich würde es in jedem Fall auf eine Diskussion mit dem Schwimmbadpersonal ankommen lassen, falls es notwendig wird.

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  2. Lutz Prauser

    Hin und wieder bin ich mittlerweile einigen türkischen Müttern in Erding im Burkini begegnet, die mit ihren Kindern öfters dort zum Baden sind. Manche Leute starren etwas blöd, ansonsten kann ich nicht sagen, dass es da irgendwelche Reaktionen gab. Von Schwimmbadbetreiberseite jedenfalls nicht.
    Grundsätzlich frage ich mich, wen das auch stören sollte… und warum.

    Angesichts diverser Bikinihosen, die von den Hinterbacken ihrer Trägerinnen fast aufgefressen wurden, frage ich, was für meine persönliche Ästhetik die größere Zumutung ist.

    Angesichts notorischer Duschverweigerer und eingeölter Make-Up-Schwimmerinnen frage ich mich, was die Sauberkeit von 2 Mio Litern chloriertem Wasser mehr belastet. Von den Belastungen durch’s Pieseln mal gar nicht zu sprechen…

    Angesichts zahlreicher Triathleten, die in ihren Trisuits ins Freibad trainieren, Teenagern mit Compressions-Short-Unterwäsche oder Schlübbis unter ihren Beach-Shorts aufmarschieren und Neoprenanzugnutzern bei arschkaltem Wetter (letzteres habe ich auch schon gemacht), frage ich mich, ob das, was in den Nutzungsverordnungen „angemessene Badekleidung“ genannt wird, nicht sehr subjektiv auslegbar ist und warum ein Bukini nicht mit dazu gehören sollte…

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    1. Irene Gronegger Beitragsautor

      Vielleicht ist das mit der Hygiene und dem Burkini ein Missverständnis? Theoretisch könnte man zwar unter dem Burkini Unterwäsche anhaben, aber das ist auch bei den riesigen Badeshorts der Männer so und davon gibt es wesentlich mehr.

      Aber es geht beim Duschen wohl nicht nur darum, Schweiß und Schmutz abzuwaschen, sondern auch Waschmittel-Reste, die evtl nicht gut fürs Badewasser sind (dann wäre knappe Badekleidung für die Technik einfacher als großformatige). Das geht jedenfalls aus diesem Artikel hervor, ich habe aber keine Ahnung, ob das auf alle Anlagen übertragbar ist:
      http://www.badische-zeitung.de/steinen/freibad-steinen-badeverbot-fuer-baby-in-uv-schutzanzug–86554808.html

      > Grundsätzlich frage ich mich, wen das auch stören sollte… und warum.

      Meine These ist, dass die westliche Badekleidung auch deshalb weitgehend akzeptiert ist, weil alle etwa gleich wenig anhaben. Der Burkini mischt womöglich die Karten neu, natürlich nur dort, wo er öfter getragen wird. Ob man sich nackt fühlt, hängt ja nicht nur davon ab, wie viel man an hat, sondern auch vom Kontext. Man fühlt sich also im Bikini in der Innenstadt nackter als ganz nackt in der Sauna. (Ästhetik ist für mich nicht das Thema und das Darstellen von Religion auch nicht.)

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  3. Simone

    Bin bei der Rechereche nach Bademode in Deutschland hier gelandet. Falls es interessiert, bieten wir in unserem Shop eine Lösung zwischen Bikini und Burkini an. Unser Ziel ist dabei schlicht, dass die Kleidung bedeckt und schützt. Dieser Aspekt ist im Westen fast völlig untergegangen. Durch die Burkinis ist das wieder mehr ins öffentliche Bewusstsein gekommen, auch wenn oft großes Unverständnis darüber herrscht. Das erleben wir selbst immer wieder. Schön, wenn man ohne Vorurteile mal darüber nachdenkt.

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