Sophienstraße – Schutzstreifen mit Missverständnissen

Sophienstraße - Schutzstreifen für Radfahrer

Die Sophienstraße, die nördlich um den Alten Botanischen Garten führt, ist eine Einbahnstraße. Mittlerweile wurde sie von der Stadtverwaltung für den gegenläufigen Radverkehr freigegeben, sodass man mit dem Fahrrad in beide Richtungen auf der Fahrbahn radeln darf. Davor musste man auf dem Weg in Richtung Westen absteigen und das Rad auf dem Gehweg schieben oder eine andere Route wählen. Wie in einigen anderen Fällen auch, wurde nach der Freigabe einen Schutzstreifen auf der Fahrbahn aufgetragen, der die Regelung optisch unterstreichen soll. Da es sich um eine gestrichelte Linie handelt, können Radfahrer einander gut überholen und dabei den Schutzstreifen verlassen, wenn kein Auto entgegen kommt.

Als ich am Freitag erstmals auf der Fahrbahn der Sophienstraße in Richtung Westen radelte, freute ich mich erst über die neue Möglichkeit. Doch an der Einmündung der Arcostraße wurde mir beinahe von einem Auto die Vorfahrt genommen. Die Freigabe der Sophienstraße für das Radfahren in ungewohnter Richtung ist wohl noch nicht ganz im Bewusstsein der Autofahrer angekommen. Womöglich wurde das Zusatzschild nicht bemerkt oder nicht verstanden:

Vorfahrt gewähren - Arcostraße  und Sophienstraße

Da ich noch etwa zehn Minuten lang das Verkehrsgeschehen beobachtete, fielen weitere Probleme auf. Zum einen hat der neue Schutzstreifen das Gehwegradeln nicht wesentlich eingedämmt – der breite Gehweg neben der Grünanlage (siehe unten) wird immer noch in beide Richtungen mit dem Rad befahren.

Noch gefährlicher ist, dass manche Radfahrer den neunen Schutzstreifen offenbar als Zweirichtungsradweg interpretieren und auf der linken Seite radeln. Oder sie können sich grundsätzlich nicht vorstellen, dass man einfach so auf der Fahrbahn radfahren darf. Hier muss die Stadt noch deutlich nachbessern, was die Aufklärung betrifft.

Geisterradler auf dem Schutzstreifen Sophienstraße

Meine These, dass Schutzstreifen und Radstreifen auf der Fahrbahn auch deshalb keine schlechte Sache sind, weil hier im Gegensatz zum Hochbord-Radweg keine Geisterradler unterwegs sind, muss ich also widerrufen – zumindest für Einbahnstraßen, die für den gegenläufigen Radverkehr freigegeben sind.

3 Gedanken zu „Sophienstraße – Schutzstreifen mit Missverständnissen

  1. Timovic

    Deine Erfahrungen habe ich vor einem Jahr in den SZ-Gefahrenatlas eingetragen. Passiert ist da bislang nichts. Ich kann auch nicht nachvollziehen, weshalb Radfahrer am Ende vor der Ampel mehrheitlich auf dem Gehweg warten (und dort dann jedesmal einen nicht abgesenkten Bordstein runter rumpeln müssen). Dabei gibt es für Radfahrer aus der Sophienstraße eine eigene Haltelinie und Radfahrer aus Richtung Lenbachplatz, die nach links auf den Stachus möchten, können auf der Fahrbahn ohne Probleme warten (auch wenn man das allmählich auch einmal anständig markieren könnte – steht übrigens auch im Gefahrenatlas).

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    1. Irene Gronegger Artikelautor

      Deine Erfahrungen habe ich vor einem Jahr in den SZ-Gefahrenatlas eingetragen. Passiert ist da bislang nichts.

      Tja … und die Radlhauptstadt hat auf Twitter auch nicht auf diesen Eintrag reagiert.

      Ich kann auch nicht nachvollziehen, weshalb Radfahrer am Ende vor der Ampel mehrheitlich auf dem Gehweg warten (und dort dann jedesmal einen nicht abgesenkten Bordstein runter rumpeln müssen).

      Also wenn man von der Sophienstraße in Richtung Justizpalast / Stachus unterwegs ist? Werde ich mir noch ansehen …

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  2. Pingback: Karolinenplatz - neue Radwege geben Rätsel auf | Maxvorstadtblog

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