Münchens seltsamste Fahrradstraße – Adalbertstraße

Fahrradstraße in der Münchner Adalbertstraße

Die Adalbertstraße in der Maxvorstadt wurde letzten Sommer als Fahrradstraße ausgewiesen. Das Foto zeigt ihren Anfang an der Einmündung Isabellastraße, rechts sieht man die Mauer des Alten Nördlichen Friedhofs.

Dank Fahrradstraße haben Fahrräder Vorrang vor dem motorisierten Verkehr, der die Adalbertstraße aber laut Zusatzschild auch befahren darf. Kraftfahrzeuge dürfen den Radverkehr nicht behindern, sondern sollen Rücksicht nehmen. Radfahrer sollen zwar auf der rechten Seite fahren, aber nebeneinander zu radeln ist kein Problem. Vorrang heißt aber nicht Vorfahrt, es gelten weiterhin die üblichen Vorfahrtsregeln.

Die Stadt verkündet stolz auf München.de: Damit ist und bleibt München die Stadt mit den meisten Fahrradstraßen in Deutschland. Ein Vorteil der Fahrradstraßen ist, dass es wenig kostet, sie einzurichten: Ist die Entscheidung erst mal getroffen, müssen nur noch einige Schilder aufgestellt und die Sache bekannt gemacht werden. Für die Radler haben die Fahrradstraßen den Vorteil, dass sie ihnen viel mehr Platz bieten als Radwege – andere Radfahrer zu überholen oder lässig nebeneinander zu fahren ist kein Problem.

Oder sollte man sagen, es wäre kein Problem? Als ich am Freitagnachmittag gut fünf Minuten am Anfang der Fahrradstraße verbrachte, um einige Bilder aufzunehmen, kam jede Minute ein erwachsener Gehwegradler vorbei. Kaum zu glauben … so viele auf einmal sieht man eher selten. Entweder hat kaum jemand bemerkt, dass die Adalbertstraße seit bald einem halben Jahr eine Fahrradstraße ist, oder die Sache wird von manchen Radfahrern anders aufgefasst als erwartet.

5 Gedanken zu „Münchens seltsamste Fahrradstraße – Adalbertstraße

  1. Sascha

    Oder die jahrzehntelange „nur auf dem Radweg ist man sicher, die Fahrbahn ist ganz doll böse gefährlich“ Propaganda trägt auch hier immer noch Früchte.

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    1. Irene Gronegger Artikelautor

      Ja, die spielt bestimmt eine Rolle. Aber dass es sich gerade in diesem verschlafenen Abschnitt der Adalbertstraße so häuft, hat mich doch überrascht. Auf der Luisenstraße ist der Anteil der Gehwegradler niedriger.

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  2. Kurt

    Und die jahrzehntelange Strategie, Fahrradfahrer mit Fußgänger in den gleichen Räumen zu mischen (Radwege baulich unzureichend abgetrennt von Bürgersteigen, auch gerade an Kreuzungen) hat bei Radfahrern das Bewusstsein „abgeschafft“, ein Fahrzeug zu führen, das schnell ist und folglich auf die Straße gehört. (Das gilt entsprechend auch bei auf Radwegen umherirrenden Fußgängern.)

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  3. Pingback: Friedhofsmauer an der Adalbertstraße wird saniert | Maxvorstadtblog

  4. Tino

    Wie auf dem Foto zu sehen ist, wird mehr als die Hälfte der Breite dieser „Fahrradstraße“ von Autos belegt. Wenn man dann noch den Sicherheitsabstand zum Schutz vor Dooring mit einrechnet, bleibt nur noch ein schmaler nutzbarer Streifen in der Mitte übrig, der eigentlich kaum noch für Radverkehr in beiden Richtungen reicht. Überholen kann man gleich ganz vergessen. Wenn Radfahrer mit Anfänger dabei sind, wird es noch enger. Und sobald sich dann noch ein Auto durch die Straße bewegt, was bei jedem entgegenkommenden Radfahrer beinahe oder ganz anhalten muss, damit sich der Radfahrer daran vorbeiquetschen kann, bricht der Radverkehr fast vollständig zusammen.

    Die Adalbertstraße ist diesbezüglich kein Einzelfall, in der Hohenlohestraße sieht es es genauso aus. Diese Fahrradstraße ist an beiden Enden für PKW offen, d.h. hier gibts sogar noch motorisierten Durchgangsverkehr. Und sie liegt auf der wichtigen Radfahrer-Achse Nyphenburger Schloss-Kuglmüllerstraße-Willi-Gebhardt-Ufer-Olympiapark-Birnauer Straße-Petuelring, d.h. im Berufsverkehr ist hier ordentlich was los.

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